Warum Kinder ihre Schüchternheit nicht überwinden sollten ♡

Das Label “schüchtern”

Ich habe sehr lange geglaubt, dass ich schüchtern bin. Weil das ein Label war, das mir in meiner Kindheit verpasst wurde. Weil ich mich als Kind nicht getraut habe, alleine ein Eis zu kaufen. Weil ich zum Beispiel bei Festen sehr lange gebraucht habe, um „aufzutauen“. Manchmal hing ich stundenlang auf Mamas Schoß und dann kurz bevor wir gegangen sind, hab ich angefangen, mit den anderen Kindern zu spielen.

Heute weiß ich, dass das an meiner hochsensiblen Seite lag. Dass ich keinen Bock hatte, mir bei einem Fremden ein Eis zu kaufen, weil ich ja gar nicht wusste, wie der so tickt, was der mir für Fragen stellt, ob ich vielleicht beim Bezahlen irgendwas falsch mache.

Dass ich bei Festen einfach Zeit brauchte, um anzukommen. Weil mich die Geräusche, Gerüche und auch die Gefühle von anderen einfach erschlagen haben. Weil da neue Menschen waren, die ich nicht kannte oder von denen ich einfach nicht wusste, wie sie so drauf sind. Erst wenn ich die Lage für mich gecheckt hatte und wusste, dass ich sicher bin, dann konnte ich loslegen.

Warum ich das Wort „schüchtern“ Problematisch finde…

Und das ist bis heute noch so. Dass ich Zeit brauche, um irgendwo anzukommen und die Lage zu checken. Aber: Ich bin alles, aber nicht schüchtern. Und jetzt kommen wir zu dem eigentlichen Thema: Das Wort “schüchtern” ist in meinen Augen nämlich eher negativ behaftet. Es suggeriert dem Kind, dass dieses Verhalten nicht normal ist. „Die anderen Kinder spielen doch auch direkt miteinander.“ Es suggeriert, dass das Kind nur mal aus sich rauskommen, über seinen Schatten springen, die Schüchternheit überwinden muss. Kurzum: Das Kind bekommt das Gefühl, dass es nicht richtig ist, so wie es ist.

Das Selbstbewusstsein leidet

So viele Hochsensible denken, dass sie nicht richtig sind, so wie sie sind. Sie haben die innere Überzeugung, dass sie einfach nur anders sein müssen - so wie „alle die anderen”, um „normal“ zu sein, um angenommen und geliebt zu werden. Und das erzeugt unfassbar viel Druck.  Die Folge: Sie lernen sich anzupassen, ihre Intuition zu überhören, ständig über die eigenen Grenzen zu gehen, um dazuzugehören und geliebt zu werden. Das kann krank machen, vor allem aber unglücklich und dazu führen, dass “schüchterne” Kinder und Erwachsene sich noch mehr zurückziehen.

Zurückhaltend statt schüchtern ♡

Deshalb halte ich heute ein Plädoyer dafür, das Wort „schüchtern“ durch „zurückhaltend“ zu ersetzen. Denn ein Kind, das zurückhaltend ist, muss nicht über seinen Schatten springen, wenn es das nicht will. Es entscheidet selbst, wann und ob es sich sicher genug fühlt, um auf andere Menschen zuzugehen. Und dass es einfach genauso sein darf, wie es ist. Ein verdammt tolles Kind!

Und wenn du mehr darüber wissen willst, wie du dein hochsensibles Kind unterstützen kannst, hier findest du mehr Infos.

Alles Liebe für euch,

Susanne

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