Wie Hochsensible lernen, sich besser abzugrenzen

Du bist hochsensibel und hast das Gefühl, dass du die Gefühle und Stimmungen deiner Umwelt wie ein Schwamm aufsaugst? Das kenne ich aus eigener Erfahrung nur zu gut und ich kann dir sagen: Das kannst lernen, dich besser abzugrenzen. Wie, das verrate ich dir jetzt. 

Wie ich es geschafft habe, mich besser abzugrenzen

Ich hatte vor gut zwei Jahren eine Erkenntnis. Ich habe den Tag mit einer Freundin verbracht, die Liebeskummer hatte und habe irgendwann gemerkt – ey, mir geht’s trotzdem gut, obwohl sie gerade totalen Herzschmerz hat. Ich war für sie da, habe ihr zugehört, aber ich selbst war nicht traurig. Ich hatte gute Laune. Und ich war total erstaunt, denn bis dahin hab ich alle Energien und Gefühle meiner Lieblingsmenschen nur so aufgesaugt. Wenn jemand traurig war, war ich auch traurig. Wenn jemand gut drauf war, hab ich mich anstecken lassen. Und das meistens total unbewusst.

WIR FÜHLEN DIE GEFÜHLE ANDERER MENSCHEN

Das ging sogar so weit, dass ich mir manchmal wie in ner Achterbahn vorkam. Ich war total gut drauf und aus dem Nichts hätte ich heulen können. Ich hab mich manchmal total psycho gefühlt, weil meine Laune so wankelmütig war. Und ich oft gar nicht wusste, warum. Mittlerweile weiß ich: Ich habe die Stimmung der Menschen in meinem Umfeld unterbewusst gespürt und sie zu mir genommen.

Aber das jetzt – dass jemand, der mir wichtig ist, so traurig war und es mir trotzdem gut ging an diesem Tag – das war komplett neu.

Doch warum können sich sensible Menschen so schlecht abgrenzen?

Uns wurde in der Kindheit oft gespiegelt, dass wir nicht gut so sind, wie wir sind. Dass wir „zu empfindlich”, „zu sensibel”, „nicht normal“ sind. Daraus haben wir geschlussfolgert: „Ich bin nicht liebenswert“. Da wir aber geliebt werden wollen, dazugehören wollen, haben wir angefangen unsere Gabe, die Empathie, zu nutzen. Es wurde für uns soziale Wesen überlebenswichtig, unsere Umwelt zu lesen. Herauszufinden, was unser Umfeld braucht. Wie wir es schaffen, dazuzugehören, geliebt zu werden. Wir haben angefangen, alles dafür zu tun, dass andere Menschen sich bei uns wohl fühlen.

Und das ist auch heute noch so: Wir hören ihnen zu, wenn es ihnen schlecht geht, obwohl wir selbst gerade total am Limit sind. Wir sagen Ja zu Dingen, zu denen wir gerne Nein sagen würden. Wir übernehmen Aufgaben, die kein anderer machen will, damit wir uns gewertschätzt fühen. Wir haben also nie gelernt, Grenzen zu setzen und dadurch können wir uns auch von anderen nicht abgrenzen.

Diese Strategie hat auch eine ganze Weile für uns funktioniert. Bis wir irgendwann total unzufrieden mit unserem Leben sind, uns vielleicht ausgenutzt oder leer fühlen. Bis wir irgendwann ausgebrannt sind.

Wie kannst du lernen, dich besser abzugrenzen?

Wenn du einen plötzlichen Stimmungsumschwung erlebst: Atme einmal tief durch und frag dich, ob das gerade dein Gefühl ist, oder ob jemand in deinem Umfeld gerade traurig, wütend, was auch immer du gerade fühlst, ist.

♡ Gibt es Momente, in denen du dich bereits gut abgrenzen kannst? Wenn ja, was ist dann anders und was kannst du davon in anderen Momenten übernehmen?

♡ Lerne dich selbst besser kennen und stärke deinen Selbstwert. Finde heraus, was dir gut tut, welche Bedürfnisse du hast. Welche Menschen, Hobbies, Routinen dir gut tun, welche nicht. Auch wenn das manchmal bedeutet, Job zu verlassen, Beziehungen oder Freundschaften loszulassen.

♡ Gibt es jemanden in deinem Umfeld, der oder die sich gut abgrenzen kann? Wenn ja, frage dich einen Tag lang mal: Was würde XY jetzt tun? Und vielleicht schaffst du es, auch so zu handeln.

♡ Lerne Nein zu sagen, wenn du Nein meinst und stehe für dich und deine Bedürfnisse ein. 

Sensible Unterstützung für dich

Bei mir war es ein Weg und den bin ich nicht alleine gegangen. Ich hatte Unterstützung von tollen Coaches und Mentorinnen, die mir geholfen haben, meine Muster, Konditionierungen aufzudecken und mich selbst so besser zu verstehen. Denn, wenn du dich verstehst und weißt, warum du wie tickst, kannst du Dinge ändern.

Wenn du lernen willst, dich besser abzugrenzen und dir professionelle Unterstützung auf deinem Weg wünschst, ich unterstütze als Coach individuell dabei, dich besser abzugrenzen.

Alles Liebe für dich,

Susanne

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